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"Bratkartoffel" auf 134qm Fläche - Habibi x fritz-kola

"Bratkartoffel" auf 134qm Fläche - Habibi x fritz-kola

Manche Kollaborationen bleiben auf Produkte beschränkt. Diese hier war für uns von Anfang an größer. Mit Habibi x fritz-kola haben wir nicht nur eine Kollektion aus Hoodie, T-Shirt und Tasche entwickelt, sondern eine Zusammenarbeit gestaltet, die weit über Kleidung hinausging. Für uns war das kein klassischer Produktdrop, sondern ein Projekt, bei dem sich Mode, Gestaltung, Haltung und Öffentlichkeit miteinander verbunden haben.

Der Kern dieser Zusammenarbeit lag für uns nicht nur in den Produkten, sondern in der Idee dahinter. Uns interessiert an arabischer Schrift seit jeher nicht nur ihre formale Schönheit, sondern auch das, was passiert, wenn sie in ungewohnten Kontexten auftaucht. Genau daraus entstand die Arbeit am Hamburger Kunstverein: eine 134 Quadratmeter große Fläche, auf der „Bratkartoffel“ in arabischer Schrift zu lesen war — deutsch ausgesprochen, aber in ein anderes visuelles System übersetzt. Genau diese Verschiebung war für uns zentral: deutsche Begriffe sichtbar in arabischer Schrift zu denken und damit Wahrnehmung im öffentlichen Raum zu verändern.

Diese Idee haben wir auch in die textile Kollaboration übertragen. Für die Kollektion haben wir „fritz-kola“ in arabischer Schrift gesetzt und so auch auf Hoodie, T-Shirt und Tasche genau mit dem Spannungsfeld gearbeitet, das das gesamte Projekt getragen hat: eine bekannte deutsche Marke, gelesen durch ein anderes Schriftsystem. Dadurch waren die Produkte nicht einfach nur Träger eines Logos, sondern selbst Teil der gestalterischen Aussage.

Vielleicht war genau das der Punkt, der diese Kollaboration für uns so besonders gemacht hat. Wir wollten arabische Schrift nicht nur integrieren, sondern so einsetzen, dass sie vertraute Begriffe neu lesbar macht. Nicht abstrakt, nicht nur gestalterisch schön, sondern direkt, humorvoll und mitten im Alltag. Aus einem Wort wurde plötzlich mehr als nur Sprache — es wurde ein öffentlicher Moment, eine Irritation, aber auch eine Form von Nähe. Genau darin liegt für uns die Kraft von Gestaltung.

Die Idee wurde innerhalb der Kampagne weitergedacht, unter anderem mit Begriffen wie „Franzbrötchen“ und „Pommes Schranke“. Auch international wurde das Prinzip mit jeweils angepassten Begriffen fortgeführt. Für uns war wichtig, dass darin nicht nur ein starker visueller Effekt liegt, sondern auch eine klare Haltung: arabische Schrift nicht als Fremdkörper zu behandeln, sondern als selbstverständlichen Teil von Gegenwart, Humor, Stadtbild und Popkultur.

Zur Kollaboration gehörte außerdem ein fünftägiger Pop-up, den wir als eigenen Raum gedacht und gestaltet haben. Dafür haben wir einen Space im Kiosk-Stil entwickelt, Kühlschränke als Produktpräsentation eingesetzt und einen Ort geschaffen, an dem die Zusammenarbeit nicht nur gezeigt, sondern erlebt werden konnte — mit DJs, Catering, Filmabenden und Auftritten. Auch das Fotoshooting haben wir selbst konzipiert und umgesetzt. Die Produkte wurden von uns gestaltet, produziert und waren sold out. So ist aus der Kollaboration nicht nur eine Collection entstanden, sondern ein Gesamtprojekt mit einer klaren gestalterischen Handschrift.

Dass die Kampagne viral ging, ein Reel mit dem „Bratkartoffel“-Motiv über zwei Millionen Views erreichte und das Projekt mit Silber beim Deutschen Digital Award ausgezeichnet wurde, hat die Wirkung dieser Arbeit noch einmal sichtbar gemacht. Für uns war das aber nie nur eine Frage von Reichweite oder Auszeichnung. Entscheidend war, dass eine Idee, die aus unserer Perspektive auf Schrift, Kultur und Gestaltung entstanden ist, so viele Menschen erreicht und eine echte Reaktion ausgelöst hat.

Wenn wir heute auf Habibi x fritz-kola zurückblicken, sehen wir darin nicht einfach eine Kollaboration, sondern ein Projekt, in dem sich vieles gebündelt hat, was Habibi ausmacht: Schrift als Haltung, Gestaltung als Eingriff, Humor als Türöffner und Raum als Teil der Aussage. Für uns war das ein Moment, in dem aus einer Idee eine sichtbare kulturelle Geste wurde.