Als wir mit dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zusammengearbeitet haben, war schnell klar, dass es nicht nur um ein einzelnes Objekt gehen würde. Uns interessierte die Frage, wie sich arabische Schrift über verschiedene Ebenen hinweg zeigen lässt: im öffentlichen Raum, im Ausstellungskontext, in der Mode und in der gestalterischen Inszenierung. Genau darin lag für uns die Stärke dieser Zusammenarbeit.
Sichtbar wurde das zunächst an der Fassade des MK&G. Dort war ein großformatiges Banner zu sehen, auf dem „Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Habibi“ in arabischer Schrift zu lesen war. Die Arbeit entstand im Rahmen von „Inspiration SWANA“ und setzte gemeinsam mit dem Museum ein bewusstes Zeichen für Sichtbarkeit und eine positive Wahrnehmung arabischer Schrift im urbanen Raum. Für uns war dieses Banner nicht nur eine gestalterische Intervention, sondern auch eine Einladung, Schrift anders zu lesen: nicht als Projektion, sondern als Teil von Öffentlichkeit, Kultur und Gegenwart.
Gleichzeitig war unsere Arbeit nicht auf die Fassade beschränkt. Im Rahmen von „Inspiration SWANA“ waren wir auch mit einer interaktiven künstlerischen Position in der Ausstellung vertreten. Das MK&G beschreibt unsere Arbeit dort als einen spielerischen Zugang zum arabischen Alphabet — und genau darum ging es uns auch in der eigenen gestalterischen Herangehensweise. Die Ausstellung selbst markiert eine neue Perspektive auf die SWANA-Sammlung des Hauses und bringt historische und zeitgenössische Positionen in einen lebendigen Dialog.
Für unsere Installation haben wir mit Lentikulartechnik gearbeitet und uns von der Logik eines Kinder-ABC-Buchs inspirieren lassen. Über Motiv, Buchstabe, Wort und Wortzusammensetzung wollten wir eine Form entwickeln, die Nahbarkeit schafft. Uns ging es darum, arabische Schrift nicht zu erklären wie etwas Fremdes, sondern sie so zugänglich zu machen, dass man sich ihr visuell, spielerisch und intuitiv nähern kann. Gerade in einem kulturellen Kontext wie diesem interessiert uns Gestaltung dann am meisten, wenn sie nicht nur zeigt, sondern Verbindungen herstellt.
Zur Zusammenarbeit gehörte für uns außerdem eine Kollaboration mit zwei Kleidungsstücken, die das Projekt über den Ausstellungsraum hinaus weitertragen. Die Produkte waren nicht als bloßes Merchandise gedacht, sondern als Erweiterung der Idee: Gestaltung, die sich bewegen kann, getragen wird und neue Kontexte erreicht. Dass die Stücke sowohl in unserem Online-Shop als auch im Museumsshop zu finden waren, hat diese Verbindung zwischen Brand, Institution und Publikum auf eine natürliche Weise weitergeführt.
Auch die Inszenierung war Teil des Projekts. Das Fotoshooting im Spiegelsaal des Museums hat der Zusammenarbeit eine eigene visuelle Ebene gegeben. Dazu kam unser Pop-up im Rahmen der Vernissage von „Inspiration SWANA“, bei dem die Arbeit noch einmal in einen unmittelbaren Austausch mit Besucher:innen, Raum und Situation getreten ist. So ist rund um die Kollaboration etwas entstanden, das für uns mehr war als ein einzelner Beitrag: ein Zusammenspiel aus Gestaltung, Haltung, Raum und Begegnung.
Für uns zeigt dieses Projekt sehr klar, wie wir bei Habibi arbeiten. Wir verstehen Schrift nicht nur als grafisches Element, sondern als Trägerin von Wahrnehmung, Erinnerung, Repräsentation und neuer Lesbarkeit. Wenn daraus Arbeiten entstehen, die gleichzeitig auf einer Fassade, in einer Ausstellung, in Kleidung und in einer Kampagne funktionieren, dann ist genau das der Raum, der uns interessiert: einer, in dem Design nicht nur Oberfläche ist, sondern kulturelle Nähe herstellen kann.



